Samstag, 23. Juni 2018

Kotelett


Hier herrscht reges Treiben!

HerrL. kocht Drillinge und Nudeln, schneidet Schinken klein, gießt Mais ab. Die Kinder decken den Tisch auf der Terrasse, falten Servietten und bringen die Getränke raus. Nebenher handeln sie noch aus, dass sie heute Abend das Fußballspiel Deutschland-Schweden sehen dürfen. Aber nur mit Chips! HerrL. freut sich, dass wenigstens Interesse am Fußball heucheln. Morgen werde ich ihm ganz schonend erklären müssen, dass es hier nur um das Fernsehen geht, nicht was darin gerade läuft. Die beiden würden sich auch eine Dokumentation über die Frostgrenze in der Taiga ansehen. Hauptsache bewegte Bilder! Ich kann das Haus locker eine Stunde verlassen, darf nur nicht vergessen den TV anzuschalten. Wenn ich wiederkomme sitzen beide noch genau so da, wie vor einer Stunde! HerrL. freut sich trotzdem und hofft auf aufkeimendes Fußballinteresse. Wie gesagt, ich sage es ihm morgen, schonend.

Die Vorbereitungen laufen weiter. Anton angelt sich den Ketchup aus dem Kühlschrank, Greta überlegt noch, wo sie sitzen soll. HerrL. überlegt was er mit dem Putenschnitzel, außer klein schneiden, noch machen soll. Ich stehe verschnupft und fiebernd im Weg und frage ab, was sich so alles auf der Terrasse befindet.

„AAAHNTOHN, welche Farbe nimmst Du beim Kotelett?“, ruft Greta von draußen.

Ich sehe verwirrt HerrL. an.

„Kotelette? Wolltet ihr nicht Raclette machen?“, frage ich.

HerrL. grinst mich an und nickt.

Langweilig


Ich sitze hier, ganz in Ruhe. Keine Kinder, kein Hund und kein Mann. Ich trinke kleine Schlucke von einem sehr guten Kaffee und beiße kleine Stücke von wunderbarem italienischen Mandelgebäck ab.

Niemand stört meine Ruhe und mich!

Erneut hebe ich die Kaffeetasse an, dabei fällt mein Blick in eine Zimmerecke. Da müsste aber auch mal wieder geputzt werden. Und weiter ob, an der Wand, da baumelt eine Spinnwebe. Die müsste da auch mal weg. Langsam trinke ich einen Schluck Kaffee. Da fällt mir das Schulfest ein. Habe ich mich da schon in die Liste eingetragen? Oder wollte ich lieber Kuchen backen? Ich weiß es nicht. Grinsend beiße ich vom Mandelgebäck ab. Ich könnte natürlich auch die Klassen-WhatsApp-Gruppe bemühen. Was gibt es eigentlich heute Abend zu essen? Hatten wir etwas geplant, hat sich irgendwer etwas gewünscht? Apropos Wünsche, hat jemand das Klo geputzt? Ich lege mein Mandelgebäck zurück.

Diese Ruhe ist ja großartig! Zeit, nur für mich!

Wie wohl nächste Woche das Wetter wird? Ein Schulfest bei Regen ist ja auch doof. Wenn ich jetzt anfangen würde das Bad zu putzen, dann hätte ich doch auch noch Zeit für das kleine Kind den Rock fertig zu nähen.

Eigentlich könnten wir heute Abend nudeln essen, dafür müsste ich dann jetzt gleich noch Gehacktes einkaufen. Der Hund muss raus! Wir haben ja schon so spät! Da schellt das Telefon.

Schnell noch den Termin mit der Oma gemacht, den Hund schon vor die Tür gesetzt, die Kaffeetasse weggestellt und das restliche Mandelgebäck weggeräumt.

 Zwiebeln haben wir auch nicht mehr! Vielleicht schreibe ich mir dann doch lieber eine Einkaufsliste.

Schnell noch ein Schluck Wasser. Dass war einfach zu viel Kaffee.

Dass muss ich mir abgewöhnen, dass Essen und trinken, wenn mir langweilig ist.

Ruhe wird überbewertet!

Einfach langweilig!

Montag, 18. Juni 2018

Spagat


Kennen Sie das, dieser Spagat, zwischen Familie, Beruf, Haushalt und dem ganzen anderen Mist?

Bestimmt!

Es gibt Tage, da glaube ich, dass wir alle mit Mann und Maus im Chaos untergehen. Dass wir die Kinder im Stress an der Supermarktkasse vergessen oder erst gar nicht mehr den Weg nach Hause finden und alle auf der Parkbank übernachten müssen.

Der Haushalt schwebt hier immer in einem Zwischenstadium. Erträglich dreckig bis, das Gesundheitsamt macht die Bude hier dicht. Ständig suchen wir Sachen und finden plötzlich und unerwartet Dinge, die wir schon längst verschollen glaubten.

Unangekündigte Besuche freuen uns tatsächlich sehr, doch stellen sie auch eine logistische Herausforderung dar. Innerhalb von wenigen Sekunden muss abgecheckt werden, ob der Besuch eintreten kann ohne über, Schulranzen, Schuhe, Kisten, Tüten, Wäsche oder den Hund zu fallen. Ist die Toilette für haushaltsfremde Personen benutzbar oder sollten wir doch lieber erst desinfizieren? Und im Sommer: sind alle Familienmitglieder ausreichend bekleidet? Wissen Sie, in Unterhose vor dem Besuch zu stehen ist amüsant, aber nicht für einen selbst.

Dann immer diese Terminplanung. Wann hat Kind1 sein Schulfest, ist kind2 dabei oder hat es eine eigene Veranstaltung, müssen wir uns aufteilen, müssen wir etwas backen oder organisieren, sind Besuchskinder da, wo holen wir diese ab, haben wir beide an diesem Tag fei oder muss einer arbeiten, wird das Besuchskind abgeholt, bleibt es zum Essen, wann ist der Sport, findet der Musikunterricht statt, haben wir den Termin für die Oma eingeplant, ist genug Essen da, hat jemand das Klo geputzt, war der Hund draußen?

Schön sind dann auch immer diese Infozettel aus der schule oder Kita. Es gibt Wochen, da sehe ich vor lauter Zetteln nicht meinen Kühlschrankgriff!

Oder sind Sie auch in einer Klassen- WhatsApp-Gruppe? Ich sage Ihnen, falls Sie noch nicht in diesen Genuss gekommen sind, großartig! Wenn Sie denken, so, alles erledigt, abgearbeitet, dann kommt bestimmt eine supertolle Elternnachricht! Die von wieder supertollen Miteltern ganz großartig kommentiert wird und Sie dann einfach mal unflätige Begriffe in diese Gruppe schreiben wollen. Tun Sie aber nicht, sondern nehmen sich ein Bier und genießen.

Manchmal, da denke ich, ob ich einfach ein bisschen verrückt bin. Mir fehlt eine saubere aufgeräumte Wohnung, doch hasse ich Putzfrauen. Also motze ich still und heimlich vor mich hin, wenn ich putze. Ich rege mich über die vergeudete Zeit auf, die ich für das Putzen benötige, doch denke ich mir, dass es schlimmere Zeitverschwendungen gibt, als sein Zuhause sauber und ordentlich zu halten. Mich nerven diese festen Termine der Kinder, doch freuen die sich wahnsinnig darauf. Auch Besuchs Kinder finde ich grenzwertig, die machen auch schmutz und sagen komische Sachen, wie, du, Nina, ich habe auch schon mal gekotzt, oder sie springen zwei Meter aus dem stand in die Höhe, weil der Hund kommt und schreien. Aber es sind die freunde meiner Kinder. Ich kann mir ja auch die freunde einladen, die ich möchte, die müssen meine Kinder ja auch ertragen.



Dieser Alltag schafft mich und bringt mich tatsächlich an meine Grenzen! Aber mit einem Lächeln! Und morgen ist auch noch ein Tag!

Besenmütter


Eigentlich, dachte ich, dass ich zu den hyperaktiven vorsorglichen Müttern gehören würde.

Ha, weit gefehlt!

Hier gibt es eine ideale Strecke um Inliner oder Fahrrad fahren zu lernen. Straße hoch, Straße runter, rechts rum und schon ist man da. Kein Auto, asphaltiert und links eine Wiese. Früher standen da auch noch Bänke, für fußlahme Mütter. Die hat aber irgendjemand abgebaut. Vielleicht in der irrigen Ansicht, dass sich die Mütter tatsächlich dann auch noch bewegen. Tun sie aber nicht! Irgendwann hatte dann jemand über die Betonstumpen Bretter gelegt. War eine nette Geste, aber nach dem Probesitzen stellte sich raus, dass die Splitter im Gesäß schwer zu entfernen sind. Manchmal sieht man jetzt noch rastende Senioren auf den Betonstumpen sitzen und die Sonne genießen.

Diese Strecke ist ideal um dort Inliner zu lernen! Dachten sich am Sonntag auch zwei Nachbarinnen von mir. Mit Sack und Pack, natürlich auch mit ihren Kindern, gingen sie die Straße rauf. Mir fiel nur auf, dass beide einen Besen dabeihatten. Na, dachte ich, kann man das Kind am Besen ziehen oder es auch auf Abstand halten. Keine schlechte Idee, wie ich fand.

Mein Mann ist währenddessen eine Runde mit unserem Hund gegangen. Was ich wiederum ganz fantastisch fand, so musste ich nicht.

„Haben gerade noch Cora und Nora mit ihren Kindern auf dem Konsumweg getroffen, die bringen ihren Kindern inlinen bei. Das Arschlochkind ist Roller gefahren.“

So seine Begrüßung, als sie wieder nach Hause kamen. Als der Hund dann abgeleint war und sich trollte, die Kinder ihren Vater begrüßt hatten, als ob er von einer Weltumseglung und nicht von einem dreißig minütigen Spaziergang kam, da legte er los.

„Hast Du gesehen, Nora und Cora hatten Besen mit?!“

„Ja, habe ich. Ist doch praktisch. Kannste ziehen oder schieben.“

„Nee“, sagte er dann, „die zwei haben den Asphalt gekehrt, wegen der kleinen Steinchen!“

„Welche Steinchen? Waren da Scherben?“

„Nein, wegen der kleinen Steinchen auf dem Asphalt! Wenn ein Kind hinfällt!“

„Hast du mit ihnen geredet?“

„Ja, und beide hatte einen eigenen Besen mit und kehrten fleißig!“

Mir fehlten die Worte.

Ich sah meine Tochter an, die sich angeschlichen hatte und grinste.

„Greta, es tut mir leid, dass ich so eine schlechte Mutter bin! Soll ich jetzt auch einen Besen mitnehmen?“

Mein Mann starrte mich an.

„Weil du nicht fegst? Bist du doch keine schlechte Mutter, Mama! Du bist die beste! Darf ich Schokolade?“

„Genau, Du bist die beste! Darf ich auch Schokolade?“, kam mein Sohn um die Ecke.

Ich verteilte großzügig die Schokolade und wunderte mich.

Arschlochkind




Anton geht in die erste Klasse.

Es ist hier die Grundschule, in der sich die halbe Nachbarschaft tummelt.

Er ist, wie soll ich es sagen, kein Engel, aber ein anständiger Sonnenschein. An manchen Tagen möchte ich ihn gerne, wahlweise, auf den Mond schießen, zur Adoption frei geben oder ihn im Heizungskeller mit Kabelbinder an die Rohre ketten.

Doch ist er im Umgang mit anderen Kindern großartig. Er toleriert jede Macke oder Verhaltensauffälligkeit. Sagt deutlich wo seine Grenzen sind und geht lieber weg, bevor er schlägt.

Auch sieht er, wenn Hilfe benötigt wird und ist empathisch. Jähzornig ist er übrigens auch, damit uns hier nicht schlecht wird vor lauter Lob!

Hier in der Nachbarschaft und auch auf der Schule gibt es einen Jungen, der es richtig scher hat. Er ist anders als andere Kinder und versucht zwar mit den anderen mitzuhalten hat aber im sozialen Umgang richtige Lücken, die er mit Brutalität versucht zu schließen. Kontaktaufnahme ist nicht mit Hallo, sondern gerne einfach mal einen Klaps, egal wohin. Kein Kind mag tatsächlich mit ihm spielen. Eigentlich schade, dachte ich, in meinem Erwachsengehirn. Doch nachdem ich ihn erlebt habe, in verschieden Situation, verstehe ich die anderen Kinder.

Mein, „Ey, der kann nicht anders, danach kann man doch mit ihm spielen!“ oder; „ Weißt Du, der kann doch auch Schach spielen, mach das doch mal mit ihm!“ oder, „ Willst du ihn nicht mal besuchen und mit ihm dein neues Hörspiel anhören?“, wurde immer seltener, bis es komplett aufhörte.

Denn Anton beschwerte sich jeden Tag. Erst ging es nur darum, dass er sie in der Betreuung nicht richtig mit dem Lego spielen ließ. Dann ging es weiter, in den Pausen ging er nicht weg, schlug, trat und beschimpfte die anderen Kinder. Er konnte nicht akzeptieren, dass die anderen Kinder nicht mit ihm spielen wollten. Drängte sich auf unangenehm brutale Weise auf.

Mir fehlten mittlerweile die Worte zur Beschwichtigung von Anton. Jeden Tag gingen wir hier zu Hause in einen Konflikt rein, weil Anton mit der Situation in der Schule so unglücklich war.

Nach drei Wochen sagte ich, „Weißt Du was, ich kümmere mich drum!“ Anton strahlte mich Zahnlücken lastig an, leierte mir noch Schokolade aus dem Ärmel und trollte sich.

Ich setzte mich hin und rief die Mutter an. Nicht gerne, weil ich finde, es ist nicht mein Tanzbereich, der Schulhof der Kinder. Aber gut, ich war mürbe genug um es zu tun.

Es wurde ein nettes Gespräch, denn wir kennen uns und sind auf irgendeine Art und Weise befreundet. Es kam raus, dass er sich auch in der Familie so komisch benimmt und sie nicht mehr weiterweiß. Es ging sogar soweit, dass ich ihn schon bei ihr in Schutz genommen habe. Sie wollte mit ihm reden. Für mich war damit alles erledigt. War es aber nicht!

Irgendwann in der Woche schellte das Telefon. Anton nahm ab und seine Mutter war dran. Er begann sich plötzlich zu rechtfertigen. Ich hatte keine Zeit und versprach sie später anzurufen.

Ihr Sohn hatte sich bei ihr beschwert, dass Anton ihn hin geschubst hätte und er nicht mit dem Viertklässler spielen dürfte, weil ihn die anderen Jungs wegscheuchen würden.

Ließ sich alles ganz schnell klären. Er war ausgerutscht, weil Anton mit ihm Blödsinn gemacht hat. Keiner hatte Schuld, alles gut. Doch beharrte sie auf einen Gesprächstermin, an dem auch eine andere Mutter mit ihrem Sohn teilnehmen sollte. Bitte, wenn dann Ruhe ist, gerne.

Das Gespräch war eine Verschwendung von Lebenszeit! Sie pochte dauerhaft darauf, dass ihr Sohn weggescheucht worden wäre und dass er nicht mit dem Viertklässler spielen dürfte. Währenddessen hortete ihr Sohn die abgezählten Süßigkeiten. Es kamen nur latente Vorwürfe in Richtung Anton und seinem Freund. Die andere Mutter starrte gelangweilt geradeaus. Mir wurde es einfach zu blöd!

„Naja, es kann auch nicht sein, dass ein Kind ständig schlägt oder tritt und nicht aufhört, obwohl die anderen Halt/Stopp sagen. Sie dann noch beschimpft...“

„Natürlich will ich keine Strichliste führen, aber...“

Und jetzt platzte mir der Kragen!

„So, über so einen Kindergarten rede ich nicht! Wer hier mit wem spielt ist mir scheißegal! Wir können uns gerne darüber unterhalten, wie der Umgang untereinander ist. Höflichkeit und Respekt voreinander, das wäre sehr schön. Niemand schlägt, tritt oder spuckt, fertig!“

Bin aufgestanden und habe mein Kind eingesammelt, was mich angrinste!

„Ähm,“ versuchte sie die Situation zu retten, „willst Du nicht die Süßigkeiten verteilen, die sind nicht für Dich alleine gedacht gewesen, weißt Du.“

Nö, wollte er nicht. Hätte ich übrigens auch nicht getan, an seiner Stelle. Was ich habe, dass habe ich! Und außerdem bekommt er sonst nichts!

So, aber das Gespräch brachte gar nichts!

Einen Tag später kam Anton nach Hause und beschwerte sich wieder über Ihn! Er hatte wieder geschlagen und getreten!

Mein Sohn hat jetzt eine Ansage bekommen, wenn ich eine Woche nicht höre, dass dieses Kind ihn wieder schlägt oder tritt, dann darf er am Samstag PlayStation spielen. Außerdem darf er jetzt gerne auch mal zurückschlagen, so richtig!

Anton schaute ungläubig!

Ja, sagte ich, geh ihm aus dem Weg und spiel woanders. Der Typ ist doof und versteht es nicht. Wenn er kommt schick ihn weg, wenn er nicht geht, dann geh du. Wenn er dich schlägt, dann schlag zurück und hol dir Hilfe.

JAAA, ich weiß, es ist nicht pädagogisch wertvoll, aber den Anspruch habe ich nicht! Ich will Ruhe in unserem Leben haben und wenn dann eben so ein Arschlochkind mit kognitiv suboptimal ausgestatten Eltern uns so dermaßen tyrannisiert, dann schaffe ich Ruhe! Gerne auch mit der PlayStation.